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Lajos Hartvig (1961)

Béla Bánáti

Lajos Hartvig
Mir geht es gut. Ich finde die Welt, in der wir leben, unheimlich spannend. Andererseits bin ich darin geübt, dass ich lerne mich wohl zu fühlen, auch, wenn die äußeren Bedingungen nicht dementsprechend sind. Der Mensch braucht es im Allgemeinen, zeitweise für einen Mo-ment anzuhalten, um sich auf die Schultern zu klopfen.

...Das Ziel eines Architekten ist, um es eindeutig zu formulieren, dass er Häuser baut für den eigenen und den weltweiten Ruhm. Die andere wichtige Sache ist, dass man sein kleines Le-ben möglichst glücklich verbringt, und dass man Nachwuchs hinterlässt.

...Hier ist diese große ungarische Wirklichkeit von heute, in der man versuchen muss Häuser zu bauen, die nur uns interessieren. Als EU-Mitglied bauen wir nicht nur für uns. Wenn wir uns in einen kulturellen Kreislauf einschalten wollen, der für ganz Europa typisch ist, dann müssen wir solche Gebäude erstellen- möglicherweise auch im Ausland- die in der euro-päischen kulturellen Entwicklung wichtig sind.

...Wenn das nicht zustande kommt, was man ganz vom Tiefsten heraus verwirklichen möch-te, dann hängt es größtenteils damit zusammen, dass man nach mehreren Jahren in der Praxis eine Selbstzensur entwickelt. Es gibt unzählige grandiose, großzügige , kreative Pläne, die gegen die Wand laufen, und irgendwann zuckt man nur mit den Schultern und sagt, das wird sowieso nichts. Und das ist das größte Problem. Ob es sich ändert? Ich bin mir sicher, ja. Früher oder später wird auch Budapest zu einem architektonischen Schauplatz, wie Paris, Genf, Zürich oder Graz.

Béla Bánáti
...Wir sind Zeitzeugen einer gesellschaftlichen, kulturellen und Konsumevolution ,was von einer konsumorientierten Sichtweise erzeugt wird. Die Gedanken können sich auf eine Weise immer wieder neu in diesen Prozess integrieren, nur in dem das Arbeitsfeld für sie gereinigt wird. Die Produkte von vor zehn Jahren verschwinden, bekommen eine Verpackung und der neue Gedanke taucht in einem neuen Produkt auf. Diese Entwicklung hat aber auf der anderen Seite einen sehr hohen Preis, was den Umweltschutz betrifft. Zwischen diesen zwei Dingen müsste man das Gleichgewicht finden, was eine Entwicklung unserer Welt in einem entsprechendem Tempo ermöglicht, aber die Menschheit geht nicht zugrunde dadurch.

...Ich glaube, wir Architekten haben es noch nicht verinnerlicht, dass unsere Tätigkeit sehr vergänglich werden wird. Wir haben uns noch nicht darauf vorbereitet, wie man damit per-sönlich oder technisch umgeht. Es gibt keine Lager für Gebäude, die werden sich einfach ab-bauen. Wenn es gut geht, wird noch eine Archivierung erstellt, dann ist es fertig, Ende.

DEUTSCHE SCHULE in BUDAPEST

Ort: Budapes, XII. Cinege utca 8/c
Entwurfsbüro: Bánáti und Hartvig
Verantwortliche Architekten: Lajos Hartvig, István Matus,
Brigitte Scheffler, Ulrich Scheffler
Bauherr: Stiftung der Budapester Deutschen Schule

Die Schüler konnten die Schule bereits im September 2001 in Besitz nehmen. Die Kosten der deutschsprachigen Schule betrugen etwa 9 Millionen Euro, sie enthält eine Fläche von 7900 Quadratmeter. Trotz der beachtlichen Maßstäbe dieses Bauobjektes wird seine Umwelt nicht nachteilig berührt, sondern nutzt seine Lage vorteilhaft. Den Architekten ist es gelungen eine bestimmte Rigidität zu vermeiden, die so oft an der modernen Architektur bemängelt wurde und wird. Die freundliche Atmosphäre dieser Schule ist in erster Linie den verwendeten Materialien und der einfachen, jedoch raffiniert gelösten Raumkonstruktionen zu verdanken. Man merkt es, dass hier die Schüler ernst genommen werden, das Umfeld - und das System - mit dem sie zusammenwirken müssen, ist in der Tat hell, durchschaubar und offen. Dies ist ein außenordentlicher Beweis, dass eine gute Architektur in der Lage ist, auch die komplexesten Begriffe zu erfassen und sie ohne Worte - oft leere Phrasen - und Missverständnisse zu vermitteln. Wenn man die neue Budapester Deutsche Schule betritt und sich vorstellt, wie sich ein kleiner Halbwüchsiger hier fühlt, dann wird sofort alles verständlich und fassbar.

 

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