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Margit Pelényi (1951)

Die Architektur ähnelt der Medizin: wenn es keine Nebenwirkungen hat, dann hat man schon viel gewonnen...

Margit Pelényi
Unsere Welt ist außerordentlich schnell geworden. Wir erleben es im Vergleich mit der sumpfigen Vorwendezeit noch stärker so.

Die meisten Wohnungen wurden vor der Wende mit staatlichen Geldern im Auftrag des Staates gebaut. Die Eigentumsverhältnisse haben sich in den letzten fünfzehn Jahren völlig verändert. Die staatlichen Wohnungen wurden privatisiert und die Neubauten entstanden fast ausschließlich durch Privatkapital. Das Programm für sozialen Wohnungsbau startete erst vor ein paar Jahren. Das war eine Herausforderung für die Entscheidungsträger, Kommunalverwaltungen und auch für die Architekten. Wir konnten uns darauf nicht vorbereiten. Ein Grund dafür war, dass früher eine quantitative Sichtweise herrschte, Qualität und Vielfalt zählten nicht.

Die Armut selbst bedeutet noch keine Kraft, die die Gesellschaft gestalten kann. Wo die Armen wohnen, das muss noch ein wenig besser sein, als die Umgebung. Es kann ihnen zu einer Art Erhabenheit verhelfen, und der Umgang mit Armut ist in einem gut gestalteten Gebäude anders. In dieser schnelllebigen Welt müssen wir auf Umwelt, Umfeld, Werten mehr Acht geben. Wo sich alles verändert, bewegt, unsicherer wird, dort kann vielleicht die Architektur eine Art Wertbeständigkeit vertreten.

120 soziale MietwoHnungen in Pécs
Entwurfsbüro: Duplan Kft.
Verantwortliche Architektin: Margit Pelényi
Mitarbeiter: Gábor Ruppert
Bauherr: Selbstverwaltung Pécs

Die Pécser Selbstverwaltung hatte die Architektin für den Bau von 120 sozialen Mietwohnungen im Kleinformat (30 und 40 m2) durch einen Wettbewerb ausgewählt. Den ersten Preis hatte die Arbeit von Margit Pelényi erhalten, die über die wichtigsten Grundgedanken der Architektur hinaus die wahren Werte eines lebendigen Gebäudes verwirklichen half. Diese Duplizität kommt gut zum Vorschein, wenn man die offene Anordnung der Gebäude, die Verbindung zwischen Konstruktion und Fassade, sowie die feinen (Spektakulär)Lösungen betrachtet, die das so unpersönliche Programm auflösen müssen.

Vor den Häusern sprudelt das Leben: Die Kinder flitzen mit ihren Rollern auf der Rampe zum Eingang hin und her, auf die eingebauten Briefkästen aus Holz sind die Namen ungewöhnlich anspruchsvoll angebracht. Es ist charakteristisch für die Sicht von Pelényi, dass sie um Eintönigkeit und Trostlosigkeit zu vermeiden, auf die Variabilität der unterschiedlichen, aber einfachen und ökonomischen Lösungen großen Wert legte. Die Kuben einer alltäglichen Wohnsiedlung werden durch zylinderförmige Treppen- und Aufzugtürme aufgelöst, die zwischen den Drehpunkten der Wohnblöcke eingebunden sind. Die Intensität dieser roten Türme ist vorherrschend, die Kinder werden durch dieses Rundelement sichtlich angezogen.
(Zitat aus der Darstellung von Krisztina Somogyi)

 

 

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