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  Erick van Egeraat,
Judit Z. Halmágyi,
János Tiba,
Eszter Bódi
Erich van Egeraat
Damit man gut überleben kann, muss man solche Dinge machen, von denen man meint, die kann ich gut. Jetzt, nach 24 Jahren im Beruf habe ich das Gefühl, dass ich an der richtigen Stelle bin. Ich liebe diese Arbeit, so wie ich sie mache. Ich glaube, ich mache sie ehrlich und ich hoffe, dass das, was ich mache, das Leben von anderen Menschen positiv beeinflusst. Die Welt, in der ich lebe, ist sehr schnell. Eine Welt, in der ich gleichzeitig die Rolle von vielen übernehmen muss. Innerhalb einer Woche muss ich die Rollen, meine Einstellung und die Sprachen oft wechseln.

Meine Partnerin sehe ich jeden Tag, und das ist mir sehr wichtig; aber meine Kinder sehe ich leider nicht jeden Tag, und das ist nicht so gut. Das Älteste ist vierzehn, die anderen bei-den zwölf und vier. Ich glaube, dass ich zu ihnen eine ganz besondere Einstellung habe, aber wenn ich daran denke, was ich möchte , dann möchte ich natürlich viel intensiver und viel länger mit ihnen zusammen sein.

Ungefähr um neun Uhr morgens komme ich zu richtiger, sagen wir praktischer Arbeit. Ich arbeite bis acht Uhr abends, und danach gehen wir essen. Am Tisch sitzen sicherlich solche Leute, mit denen ich mich über das Geschäft unterhalten möchte. Ich habe nur selten privaten Kontakt zu diesen Leuten, selten sind es Freunde oder Verwandte. Ja, und wenn ich verreise, tue ich es auch mit meinen Geschäftspartnern. Das alles macht dieses Leben sehr attraktiv, stellt aber auch an mich große Anforderungen.

Judit Z. Halmágyi
Ich habe zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn, vierzehn und zwölf Jahre alt. Ich erziehe sie so, dass ich ihnen unbedingt ihre Freiheit belasse und ein wenig die Richtung zeige.
Ich helfe ihnen ihre eigene Persönlichkeit zu wahren. Nicht das ist wichtig, wie viel Zeit wir zusammen verbringen, sondern wie intensiv und wertvoll diese ist. Ich denke, dass es überall so ist, hier im Büro oder in anderen Gesellschaften, Gruppen. Wenn wir uns auf irgendwas konzentrieren, dann ist die Intensität der Stunden und Minuten am wichtigsten.

Wir wissen alle, dass dieses Land viel gelitten hat, und unsere Denkweise, Weltanschauung, seelische Kräfte die Spuren dieses Leidens tragen. Ich kämpfe seit fünfzehn Jahren. Wir möchten die Denkweise der Menschen in diesem Lande ändern.

Es ist möglich, dass wir die visuelle Empfindlichkeit in der ungarischen Gesellschaft ändern können, dass wir die Köpfe öffnen können. Wir bestehen darauf, in der Herangehens-weise, Analyse und visuellen Qualität nicht unter ein bestimmtes Niveau zu gehen. So habe Ich den -sagen wir so - zweiten Krieg meines Lebens gewonnen. Das macht mich glücklich.

Janos Tiba
Ich glaube, das Leben in Budapest wird immer genießbarer. Es gibt immer mehr Leute, die die Qualität loben; die Lebensqualität zum Beispiel- wollen wir uns über gute Restaurants oder sogar über gute Gebäude unterhalten?

Ich bin nicht derjenige, der in dem Sinne die privaten- und die geschäftlichen Gefühle von-einander trennen könnte. Ich glaube, die Architektur ist auch keine streng geschäftliche Ange-legenheit, wir haben sehr viel mit Gefühlen zu tun.

Was interessant ist, ist, dass man seine Denkweise klar gestalten kann, wissend, dass man sich im internationalen Umfeld befindet. Man muss seine Einstellung, sein Verhalten, seine Wertordnung unterschiedlich beurteilen, je nach dem, ob man in Budapest ist oder auf dem Lande. In meinem Umfeld sind die Menschen Unterschieden gegenüber offen. Ehrlich gesagt, müsste ich kein Einheimischer sein, ich könnte hier, zu Hause auch ein Ausländer sein. Es ist aber ein besseres Gefühl Einheimischer zu sein.

Eszter Bódi
Die Grundstücksentwicklung ist eine sehr ernsthafte Sache, sehr viel Geld spielt eine große Rolle darin, und es gibt sehr strenge Regeln zwischen Auftraggeber und Architekt. Man muss sich an diese Regeln anpassen, was soviel heißt, dass man wissen muss, welche Konsequenzen eine finanzielle Entscheidung hat. Denn das Geld ist im Prozess immer dabei.

 

 

 

ING Zentrales Bürohaus
Ort: Dózsa György út 84/c., Budapest, VI
Bau: EEA Budapest Erick van Egeraat assoc. architects,
MitarbeiterInnen: Ágnes Benkõ, Balázs Beczner, Darko Kovacev, Eszter Bódi, János Tiba, Z. Judit Halmágyi, Michael Rushe, Zita Balajti, Zoltán Gyüre, Zsófia Bálint, Zsófia Gutvill, Áron Láncos, Gabriella Grand

Der "verschnürte" stachelig-stählernde Neubau wurde neben einem merkwürdig modernen Gebäude gebaut, neben der legendären Gewerkschaftszentrale (1949), deren Rekonstruktion - ohne den Versammlungsraum - im Jahre 2002 nach den Plänen von Erick van Egeraat fertiggestellt wurde, war bei zahlreichen Anlässen der Ort von Parteikongressen der ehemals alleinherrschenden Kommunistischen Partei.

Das Vorbild des neben ihm befindlichen Neubaus ist der eingepackte Reichstag von Christo. Ein sehr großer Block mit einem tief in den Hof hineinragenden Flügel. Die Bürofläche beträgt 25.000 M2. Im Vergleich zu seinem gleichartigen Gegenpart ist seine Fassade länger und dreigeteilt, so dass sie nicht monoton wirkt und den Betrachter in die villenartige Bebauung überführt.

Die schmalen, schräg stehenden Fenster, die mehrlienigen Stein-Glas-Metall-Kompositionen haben ein Zufallsmuster, das mit Krombänder verschnürt ist. Die Bänder enthalten verborgene Lichter, die der Fassade im Abendlicht einen geheimnisvollen Glanz verleihen. Die Fassade ist an den Seiten eingebogen und links über der Bankfiliale auch unter die Deckenkonstruktion gezogen. Der Hofflügel ist nicht eingepackt, dort sind die Wände nur schief, die verputzten Massen rutschen hin und her und die verschieden großen Fenster springen rauf und runter.

 

 

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